| 2010.03 - Ein guter Berater |
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Woran erkennt man einen guten Berater? - Eine kurze Betriebsanleitung für Rechts- und Lebensberater Autor: Rechtsanwalt Dr. Rutger von der Horst, Wirtschaftsmedienrechtler Köln, Münster, Los Angeles Inhalt 1. Einleitung Einen guten Berater erkennen? Ganz einfach: Ein guter Berater ist in der Lage, einen guten Rat zu erteilen. Ein guter Rat ist das Ergebnis einer guten Beratung. Doch welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit man als Berater einen guten Rat erteilen kann? 2. Gute Kenntnis des anderen Einen guten Rat erteilen zu können, erfordert zunächst einmal gute Kenntnis des anderen, gute Kenntnis seiner Erwartungen und seiner körperlichen, geistigen und wirtschaftlich-materiellen Möglichkeiten. Um diese Kenntnis erlangen zu können, bedarf es vor allem des aufmerksamen Zuhörens und möglicherweise noch wichtiger: des aufmerksamen Zusehens. Denn nicht nur durch Worte und Texte, sondern auch durch nonverbale Kommunikation teilt der Mensch sich mit. Letztlich muss ein guter Berater jedoch all´ seine Sinne fortwährend trainieren, nicht nur die üblichen fünf, sondern auch alle anderen „Bauchgefühle", siebten, achten usw. Sinne. 3. Der Dreiklang: Herz - Bauch - Kopf Gerade das erfahrene, gespürte „Erahnen" zeichnet den guten Berater aus. Nicht der Rat als Diktat, welcher den Beratenen erschlägt, ihn „plattmacht", ist gefragt. Auch soll er nicht nur die individuelle Palette an Möglichkeiten aufzeigen, die sich dem anderen in einer konkreten Situation darbietet. Vielmehr fordert eine gute Beratung den suchend-fragenden Vorschlag, der den anderen erkennen lässt, was die für ihn passendste, beste Möglichkeit ist. 4. Lebenserfahrung schafft Weisheit Um nun eine derartige „Ahnung" erlangen zu können, ist Lebenserfahrung von Nöten. Diese ist sicherlich nicht unbedingt abhängig von Lebensjahren. Eine gewisse Dauer der Lebenszeit ist allerdings hilfreich. Steigert sie doch die Wahrscheinlichkeit, dass Lebenserfahrung angesammelt werden kann. So stellt sich Weisheit in der Regel beim Menschen erst um die vierzig ein: „40 plus x, das macht nix!" Nichts braucht ihm mehr "peinlich" zu sein, denn innerhalb eines Zeitraumes von ca. vierzig Jahren erlebt der Mensch im Allgemeinen die üblichen Lebenskrisen als da sind: Krankheit, Tod, Trennung, Scheidung, Arbeitslosigkeit, kurz die Erfahrung des Scheiterns, des „Nicht-alles-Glattlaufens". Und der Mensch weiß:
5. Wissen um unbegrenzte Reaktionsmöglichkeiten Weiterhin beinhaltet diese Erkenntnis das Wissen, dass der Mensch in seinen Reaktionen nicht begrenzt ist/sein muss, dass er vielmehr immer „tausend" Möglichkeiten hat zu reagieren: ängstlich, freudig, zornig, wütend, enttäuscht, traurig, gelangweilt, entspannt und, und, und... Da der Mensch dann einen gewissen „Erfahrungsschatz" angesammelt hat, verfügt er mitunter über die Gelassenheit und Ruhe, seine Reaktion und sein Handeln exakt den Gegebenheiten anzupassen und die „richtige" Wahl für sich und/oder für andere zu treffen. Er besitzt dann einen Lebensüberblick, der es ihm ermöglicht, aus einem reichhaltigen Repertoire für Situationen Lösungen zu entwickeln, die nicht in Lehrbüchern stehen. Dem so erfahrenen Berater gelingt es, in Distanz zu sich selbst zu gehen - ohne sich selbst zu vergessen - und sich mit der Welt des anderen einzulassen, sich gar mit ihr zu identifizieren. 6. Handwerkliche Fähigkeiten des Quer- und Gegen-den-Strich-Denkens Hat der erfahrene Berater den anderen auf diese Weise „erfasst" und „begriffen", dann weist der gute Berater auch gute „handwerkliche" Fähigkeiten der Ideengewinnung auf, in dem er fragt: • Kann ich den Zweck ändern? • Kann ich es adaptieren? • Kann ich es modifizieren? • Kann ich es vergrößern? • Kann ich es verkleinern? • Kann ich es substituieren? • Kann ich es umgruppieren? • Kann ich es umkehren? • Kann ich es kombinieren? • Kann ich es transformieren? 7. Irren ist menschlich - auch beim besten Berater Doch egal, welche Lösung er dabei findet, mag sie noch so phantastisch, glänzend und ideal erscheinen, der gute Berater weiß, er kann irren. Er weiß, nicht immer kennt er alle auftretenden Variablen. Er weiß, es gibt unberechenbare Faktoren, die „alles über den Haufen werfen können." Und er weiß, dass er dann wieder vor der Frage steht: „Wie reagierst Du jetzt auf diese Situation?" und er dann wieder entsprechend reagieren kann, ohne dass „die Welt dabei untergeht." 8. Wach sein, neugierig bleiben Das Wissen und die Erkenntnisse um die Mechanismen des Lebens haben den erfahrenen Berater dabei jedoch nicht abgestumpft. Nein, wache Begeisterung beseelt ihn, immer auch neugierig auf die Erfahrungen anderer, insbesondere dessen, der gerade nach seinem Rat fragt. Der erfahrene Berater wird zum guten Berater, wenn er sich selbst dem Gegenüber, dem Neuen öffnet, wenn er sich auf den Unbekannten mit kühner Besonnenheit und vor-sichtiger = vorausschauender Risikobereitschaft einlässt - als dessen Spiegel und Gespiegelter. 9. Und siehe da: Der Lebensmeister! Ja, von einem solchermaßen in der Kunst der (Selbst-)Wahrnehmung geübten Berater kann gesagt werden: Er ist ein guter Berater! |

